
Wohnmonitor
Es herrscht eine nie da gewesene Dynamik auf dem Wohnungsmarkt. Auf der einen Seite erleben Städte einen enormen Bevölkerungsanstieg, während Gemeinden im Umland immer mehr Einwohner*innen durch Abwanderung verlieren. Beide Kommunen stehen dadurch unter Druck. In der Stadt steht immer weniger offener Wohnraum zur Verfügung, wodurch die Kauf- und Mietpreise rasant ansteigen. Im Umland herrscht dagegen Leerstand und eine veraltete Bausubstanz, weil die nötigen Investitionen ausbleiben. Häufig werden dann die Einwohner*innen aus der Stadt vertrieben, die sich den Wohnraum nicht mehr leisten können, und ziehen in weniger attraktive Lagen mit mangelhafter Infrastruktur.
Während der Corona-Pandemie konnte man jedoch eine umgekehrte Dynamik erkennen. Viele Menschen wollten ihr Home Office gerne außerhalb der Städte im Grünen verrichten. Somit erlebte plötzlich das Umland eine Nachfrage nach Wohnraum, die es seit Jahrzehnten in der Höhe nicht gab. Nicht immer konnte die Nachfrage entsprechend gedeckt werden, da der Wohnraum entweder gar nicht oder nicht in der gewünschten Qualität vorhanden war.
Es ist davon auszugehen, dass die Wohnungsmarktdynamik in Zukunft nicht nachlassen wird. Es wird auch immer wieder kurzfristige Entwicklungen geben, die Städte und Gemeinden vor Herausforderungen stellen. Um sich dem entgegenzustellen, tauschen sich die Kommunen vermehrt untereinander aus. Man bespricht wie man die Trends bestmöglich gestalten kann, sodass sowohl Stadt als auch Umland den Druck auf dem Wohnungsmarkt mindern können. Von zentraler Bedeutung für so eine Kooperation ist eine gemeinsame und verlässliche Datenbasis. Anhand solch einer Grundlage können Trends und Prognosen mit realen Zahlen untermauert werden. Auf diese Weise können die Städte und Gemeinden ihre Handlungsansätze genauer ausarbeiten,
Besonders in einer Grenzregion kommt es vor, dass Zahlen und Statistiken ganz unterschiedlich erhoben und verwendet werden. Dies erschwert die Vergleichbarkeit und stellt eine Hürde dar. Um den Wohnstandort rund um das Dreiländereck nachhaltig zu stärken, wurde das Interreg-Projekt „Euregionaler Wohnmonitor EMR“ gestartet. Demographische Trends, wohnungswirtschaftliche Entwicklungen und weitere Aspekte, die eng mit dem Thema Wohnen verknüpft sind, fasst der Wohnmonitor zu einer einheitlichen statistischen Datenbasis zusammen. Somit ermöglicht er die grenzübergreifende Transparenz zu steigern und einer fortlaufenden Separierung der Wohnungsmärkte aktiv entgegen zu wirken.
Seit April 2019 läuft das Projekt, das im Rahmen des EU-Programms INTERREG V-A EMR mit 736.034,32 Euro vom Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung der Europäischen Union gefördert wird.
Die euregionalen Partner des Region Aachen Zweckverband sind das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Liège Europe Métropole und die niederländische Provinz Limburg. Es werden auch Statistiken der belgischen Provinz Limburg in den Wohnmonitor einfließen, um Aussagen für die gesamte Euregio Maas-Rhein treffen zu können. Die Städte und Gemeinden der Euregio Maas-Rhein sind in das Projekt eingebunden, um ihre Wünsche und Anforderungen an die Datenbasis einzubringen und wohnrelevante Statistiken bereit zu stellen.
Die Kernziele des Projektes sind:
- eine beständige grenzübergreifende Wohnverflechtungs- und Wohnungsmarktanalyse über die allgemein zugänglichen Daten- und Indikatorensets hinaus,
- der Aufbau einer trinationalen Informationsbasis mittels eines grenzüberschreitenden harmonisierten Datenmodells,
- die Entwicklung einer kartengestützten Webanwendung – dem regionalen und euregionalen Wohnmonitor.
Als erwartetes Ergebnis und Mehrwert dieser Zusammenarbeit entsteht eine neue gemeinsame Informations- und Kooperationsbasis im Bereich Wohnen, wie sie bislang noch in keiner europäischen Grenzregion existiert, die der EMR eine abgestimmte, vorausschauende und verträgliche Entwicklung des Wohnungsmarktes ermöglicht.
Ansprechpartner:
Fabian Thimm
Region Aachen Zweckverband
thimm@regionaachen.de
+49 (0)241-9278721-76
Chiara Dick
Region Aachen Zweckverband
dick@regionaachen.de
+49 (0)241-9278721-72